Pankreatitis beim Hund: Symptome, Diagnose und Behandlung

Die Pankreatitis – eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse – ist eine schwere und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung beim Hund, die plötzlich auftreten (akut) oder über längere Zeit bestehen kann (chronisch). Sie ist eine der häufigsten Ursachen für akute Bauchschmerzen und Erbrechen bei Hunden, die in ganz Europa in Tierarztpraxen vorgestellt werden. Die Ursachen zu verstehen, die Symptome zu erkennen und zu wissen, wie man die Heilung unterstützt, ist für jeden Hundehalter entscheidend.
Was ist die Bauchspeicheldrüse und welche Aufgaben hat sie?
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein Drüsenorgan, das in der Nähe des Magens und des oberen Dünndarms liegt. Sie hat zwei Hauptfunktionen:
- Exokrine Funktion – die Produktion von Verdauungsenzymen (darunter Lipase, Amylase und Proteasen), die in den Dünndarm abgegeben werden, um Fette, Kohlenhydrate und Proteine aufzuspalten
- Endokrine Funktion – die Produktion von Insulin und Glukagon zur Regulierung des Blutzuckerspiegels
Bei einer Pankreatitis werden diese Verdauungsenzyme vorzeitig aktiviert – nämlich in der Bauchspeicheldrüse selbst und nicht im Darm –, wodurch das Organ beginnt, sein eigenes Gewebe zu verdauen. Diese Selbstzerstörung löst eine schwere lokale Entzündung aus und kann Entzündungsmediatoren in den Blutkreislauf abgeben, was zu einer systemischen Erkrankung führt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache einer Pankreatitis beim Hund lässt sich häufig nicht ermitteln, doch zu den bekannten Risikofaktoren gehören:
- Fettreiche Ernährung oder Futterexzesse – die Aufnahme von fettem Futter, Abfällen oder einer fettreichen Mahlzeit ist der häufigste erkennbare Auslöser; viele Fälle treten um die Feiertage auf, wenn Hunde reichhaltiges Essen bekommen oder Zugang zu Abfällen haben
- Übergewicht – adipöse Hunde haben ein deutlich höheres Risiko
- Bestimmte Medikamente – Azathioprin, Kaliumbromid und einige Antibiotika wurden beim Hund mit Pankreatitis in Verbindung gebracht
- Hyperlipidämie – erhöhte Blutfettwerte, die besonders häufig beim Zwergschnauzer aufgrund einer genetischen Veranlagung zur Hyperlipidämie vorkommen, erhöhen das Pankreasrisiko deutlich
- Begleiterkrankungen – Hypothyreose, Hyperadrenokortizismus (Cushing-Syndrom) und Diabetes mellitus sind mit einem erhöhten Pankreatitisrisiko verbunden
Rassen mit höherem Risiko
Eine Pankreatitis kann bei jeder Rasse auftreten, doch bestimmte Hunde sind überrepräsentiert:
- Zwergschnauzer – aufgrund der erblichen Hyperlipidämie mit Abstand die Rasse mit dem höchsten Risiko
- Cocker Spaniel
- Yorkshire Terrier
- Pudel
- Mittelalte bis ältere, übergewichtige Hunde jeder Rasse
Symptome der akuten Pankreatitis

Eine akute Pankreatitis kann von mild bis schwer verlaufen. Die Anzeichen entwickeln sich typischerweise plötzlich und können umfassen:
- Erbrechen – oft wiederholt und anhaltend
- Starke Bauchschmerzen – der Hund bewegt sich möglicherweise nur ungern, nimmt die „Gebetshaltung“ ein (Vorderkörper abgesenkt, Hinterhand erhoben) oder jault, wenn der Bauch berührt wird
- Lethargie und Teilnahmslosigkeit
- Appetitlosigkeit
- Durchfall
- Fieber oder in schweren Fällen ungewöhnlich niedrige Körpertemperatur
- Dehydratation
Eine schwere akute Pankreatitis kann systemische Komplikationen verursachen, darunter eine disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC), akutes Nierenversagen und Atemversagen. Ein Hund mit Anzeichen einer schweren systemischen Erkrankung – Kollaps, blasse Schleimhäute, ausgeprägte Schwäche – benötigt sofort tierärztliche Notfallversorgung.
Diagnose
Die Diagnose beruht auf klinischen Anzeichen, Blutuntersuchungen und bildgebenden Verfahren. Der spezifischste Bluttest ist die Bestimmung der kaninen pankreasspezifischen Lipase-Immunreaktivität (cPLI), vermarktet als Spec cPL. Dieser Test misst eine pankreasspezifische Form der Lipase und ist deutlich genauer als die klassische Messung von Amylase und Lipase im Serum. Für die schnelle Untersuchung in der Praxis steht in vielen Tierarztpraxen ein Schnelltest (SNAP cPL) zur Verfügung.
Blutuntersuchungen können außerdem erhöhte Leberenzyme, Auffälligkeiten im weißen Blutbild, erhöhte Blutzuckerwerte und Elektrolytstörungen aufdecken. Die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums ist das nützlichste bildgebende Verfahren – damit lassen sich ein ödematöses, hypoechogenes Pankreas, eine Verseifung des peripankreatischen Fetts sowie Begleiterkrankungen wie ein Verschluss des Gallengangs oder eine gleichzeitige Lebererkrankung darstellen.
Behandlung
Stationäre Behandlung akuter Fälle
Eine mittelschwere bis schwere akute Pankreatitis erfordert in der Regel eine stationäre Aufnahme für:
- Intravenöse Flüssigkeitstherapie – zum Ausgleich der Dehydratation, zur Unterstützung des Kreislaufs und zum Ersatz von Elektrolyten
- Analgesie – eine Schmerzbehandlung ist unerlässlich; Methadon, Buprenorphin oder andere Opioide sind Standard
- Antiemetika – Maropitant (Cerenia), Ondansetron oder Metoclopramid, um das Erbrechen zu kontrollieren und eine frühe Ernährungsunterstützung zu ermöglichen
- Ernährungsunterstützung – eine frühe enterale Ernährung (Fütterung über eine Nasoösophagealsonde, wenn der Hund erbricht) gilt bei schweren Fällen heute als vorteilhaft
- Antibiotika – nur wenn eine bakterielle Infektion (infizierte Pankreasnekrose) vermutet wird
Ernährungsmanagement während der Erholungsphase
Ein zentrales Prinzip im Management der Pankreatitis ist die Fettrestriktion. Fett ist der wichtigste Stimulus für die Sekretion von Pankreasenzymen, sodass eine Reduktion des Nahrungsfetts die Belastung der entzündeten Bauchspeicheldrüse verringert. Während der Erholungsphase sollten Hunde kleine, häufige Mahlzeiten einer leicht verdaulichen, fettarmen Diät erhalten. Speziell zusammengestellte fettarme Schonkostdiäten für den Magen-Darm-Trakt sind bei Zooplus erhältlich, darunter Produkte von Royal Canin, Hill's I/D Low Fat und Purina EN.
Chronische Pankreatitis und Langzeitmanagement
Die chronische Pankreatitis verursacht eine schwelende, geringgradige Entzündung über Monate bis Jahre und führt zu weniger dramatischen, aber anhaltenden Anzeichen: zeitweiliges Erbrechen, schlechter Appetit und Gewichtsverlust. Eine langfristige Fettrestriktion in der Ernährung ist der Grundpfeiler des Managements. Hunde, die bereits eine Episode einer akuten Pankreatitis hatten, haben ein erhöhtes Rückfallrisiko, weshalb eine lebenslange fettarme Fütterung nachdrücklich empfohlen wird.
Bei Hunden mit chronischer Pankreatitis infolge einer Hyperlipidämie (insbesondere Zwergschnauzern) ist die Behandlung der zugrunde liegenden Fettstoffwechselstörung durch Ernährungsumstellung und mitunter Medikamente (Gemfibrozil oder Fischölergänzung) wichtig.
Vorbeugung
Praktische Maßnahmen zur Senkung des Pankreatitisrisikos bei Ihrem Hund sind unter anderem, das Körpergewicht im Idealbereich zu halten, eine gleichmäßige, geeignete Ernährung ohne fettreiche Zusätze zu füttern, Abfälle sicher zu verwahren, um Futterexzesse zu verhindern, und allen Familienmitgliedern und Besuchern zu sagen, dass sie keine fettigen Lebensmittel verfüttern dürfen. Regelmäßige tierärztliche Kontrolluntersuchungen ermöglichen das frühzeitige Erkennen prädisponierender Erkrankungen wie Hypothyreose und Hyperlipidämie.
