Was ist das "Cherry Eye"?
Cherry Eye ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Prolaps der Drüse des dritten Augenlids (Nickhautdrüse). Hunde — im Gegensatz zu Menschen — besitzen ein drittes Augenlid, eine halbdurchsichtige Membran, die sich von der inneren Ecke über das Auge bewegt, um zusätzlichen Schutz zu bieten. An der Basis dieser Membran sitzt eine tränenproduzirende Drüse, die sogenannte Nickhautdrüse (oder Drüse des dritten Augenlids), die etwa 30–40% der gesamten Tränenflüssigkeit des Auges produziert.
Normalerweise sitzt diese Drüse unsichtbar an der Basis des dritten Augenlids und wird durch ein Netzwerk von Bindegewebsfasern an Ort und Stelle gehalten. Beim Cherry Eye schwächen sich die Verankerungsfasern ab oder reißen, sodass die Drüse nach oben klappt und über den Rand des dritten Augenlids hervortritt. Die freigelegte Drüse erscheint als runde, rote oder rosa fleischige Masse in der inneren Ecke des Auges — ähnlich einer Kirsche, wovon die Erkrankung ihren eingängigen Namen hat.
Welche Hunderassen sind anfällig?

Cherry Eye hat eine starke genetische Komponente, wobei bestimmte Rassen ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen. Die Erkrankung ist am häufigsten zu beobachten bei:
- English Bulldogs: Eine der am häufigsten betroffenen Rassen, entwickelt Cherry Eye oft auf beiden Augen vor dem zweiten Lebensjahr
- French Bulldogs: Ähnlich anfällig, was die brachyzephale Gesichtsstruktur widerspiegelt
- Cocker Spaniels: Sowohl englische als auch amerikanische Varietäten sind häufig betroffen
- Beagles: Eine Rasse, bei der Cherry Eye eine anerkannte Erbkrankheit ist
- Shih Tzus: Flache Augenhöhlen und die hervorstehende Augenposition tragen zum Risiko bei
- Lhasa Apsos
- Bloodhounds und Neapolitan Mastiffs: Die übermäßigen Gesichtsfalten dieser Rassen üben zusätzliche Spannung auf die periorbitalen Gewebe aus
- Boston Terrier
Die Erkrankung tritt am häufigsten bei jungen Hunden unter zwei Jahren auf, kann aber in jedem Alter eines Hundes auftreten. Wenn ein Auge betroffen ist, besteht ein beträchtliches Risiko — geschätzt auf 40–60% in einigen Studien — dass auch das andere Auge prolabiert, oft innerhalb weniger Monate. Besitzer von anfälligen Rassen sollten beide Augen nach einem ersten Prolaps genau überwachen.
Symptome und was Sie sehen werden
Die visuelle Darstellung von Cherry Eye ist normalerweise unmissverständlich. Sie werden beobachten:
- Eine runde, glatte, rote oder rosa Masse, die in der inneren Ecke eines oder beider Augen sichtbar ist
- Die Masse kann anfangs erscheinen und verschwinden (intermittierender Prolaps), bevor sie dauerhaft wird
- Vermehrter Augenausfluss, da die freigelegte Drüse gereizt und entzündet wird
- Reiben am Auge mit der Pfote oder gegen Möbel
- Rötung der Bindehaut und leichte Schwellungen um die innere Ecke
- Bei chronischen Fällen kann die Oberfläche der prolabierten Drüse trocken, verdickt und verfärbt werden durch chronische Exposition und Selbstverletzung
Cherry Eye ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erfordert aber sofortige tierärztliche Aufmerksamkeit. Je länger die Drüse prolabiert und freigelegt bleibt, desto mehr Schaden entsteht im Drüsengewebe, und desto schwieriger wird die chirurgische Korrektur.
Warum die chirurgische Neupositionierung der Entfernung stark vorgezogen wird

Historisch wurde die prolabierte Drüse einfach exzidiert (entfernt), da dies ein unkompliziertes Verfahren war, das das kosmetische Problem schnell löste. Diese Praxis wird jetzt von Veterinär-Ophthalmologen stark abgeraten und sollte wenn möglich vermieden werden. Der Grund ist einfach, aber entscheidend: die Nickhautdrüse produziert einen erheblichen Anteil — 30–40% — des wässrigen Tränenfilms des Auges.
Das Entfernen der Drüse erhöht dramatisch das lebenslange Risiko für die Entwicklung von Keratokonjunktivitis sicca (KCS, oder trockenes Auge). KCS ist eine chronische, oft progressive Erkrankung, bei der unzureichende Tränenproduktion dazu führt, dass die Hornhautoberfläche austrocknet, was zu schmerzhaften Hornhautgeschwüren, Narbenbildung, Pigmentierung, die progressiv die Sicht verdeckt, und möglicherweise Blindheit führt. Sobald sich KCS entwickelt, benötigt der betroffene Hund normalerweise täglich Augentropfen für sein ganzes Leben.
Rassen, die bereits für Cherry Eye anfällig sind — English Bulldogs, Cocker Spaniels — sind auch für KCS anfällig. Das Entfernen der Nickhautdrüse bei diesen Rassen verschärft ein bestehendes Risiko manchmal zu einem verheerenden Grad.
Moderne chirurgische Techniken positionieren die Drüse erfolgreich neu und halten sie in der überwiegenden Mehrheit der Fälle zurück, bewahren ihre tränenproduzierende Funktion, während der Prolaps korrigiert wird. Die Drüsenentfernung sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn die Drüse so schwer beschädigt wurde, dass die Erhaltung nicht mehr möglich ist — eine seltene Situation bei Fällen, die zeitnah behandelt werden.
Chirurgische Techniken: Pocket und Morgan Pocket
Die Pocket-Technik (Einhüllungs- oder Imbrications-Technik)
Bei der Pocket-Technik schafft der Chirurg eine kleine Bindehauттasche um die Basis der prolabierten Drüse und näht sie zu, wodurch die Drüse effektiv an ihre korrekte anatomische Position zurückverlagert wird. Die Nähte werden so gelegt, dass die Drüse umschlossen und an Ort und Stelle gehalten wird, während die Nahtlinie heilt. Diese Technik hat eine Erfolgsquote von 80–95% in erfahrenen Händen, obwohl Rezidive möglich bleiben, besonders bei brachyzephalen Rassen.
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