Hundekrankheiten: Herzerkrankungen verstehen
Herzerkrankungen betreffen schätzungsweise 10% der Hunde in Deutschland und gehören zu den häufigsten Gesundheitszuständen, auf die Tierärzte täglich treffen. Als Tierarztassistentin habe ich viele besorgte Hundehalter begleitet, die bemerkt haben, dass etwas mit ihrem Hund nicht stimmt, lange bevor eine Diagnose gestellt wurde. Die gute Nachricht ist: Eine frühzeitige Erkennung von Symptomen kann den Krankheitsverlauf erheblich verändern und Ihrem Hund mehr Lebensqualität schenken.
Herzerkrankungen beim Hund sind keine einzelne Erkrankung. Sie sind ein Sammelbegriff für verschiedene strukturelle und funktionelle Probleme, die beeinflussen, wie effizient das Herz Blut pumpt. Einige Bedingungen sind angeboren, das heißt, Hunde kommen bereits damit zur Welt. Andere entwickeln sich progressiv über ein ganzes Leben lang, besonders bei älteren und Senior-Hunden.
Die zwei Hauptkategorien von Hundekrankheiten: Herzerkrankungen
Die meisten Herzerkrankungen bei Hunden fallen in eine von zwei großen Kategorien: Klappenerkrankungen und Muskelerkrankungen.
Klappenerkrankung
Die myxomatöse Mitralklappenerkrankung, allgemein MMVD genannt, macht etwa 75–80% der Herzerkrankungen bei Hunden aus. Sie betrifft die allmähliche Degeneration der Mitralklappe — die Struktur zwischen dem linken Vorhof und der linken Kammer. Mit der Zeit verdicken und verformen sich die Klappensegel, was dazu führt, dass Blut mit jedem Herzschlag rückwärts fließt. Kleine Rassen und Toy-Rassen sind überproportional betroffen, besonders Cavalier King Charles Spaniels, Dackel und Chihuahuas.
Muskelerkrankung
Die dilative Kardiomyopathie, oder DCM, betrifft die Herzmuskulatur selbst. Die Ventrikel vergrößern sich und schwächen ab, wodurch sie ihre Fähigkeit zu effektiven Kontraktionen verlieren. Diese Erkrankung ist viel häufiger bei großen und riesigen Rassen wie Dobermännern, Great Danes und Irischen Wolfshunden.
Symptome erkennen

Eine der schwierigsten Aspekte von Herzerkrankungen bei Hunden ist, dass Symptome oft allmählich entstehen. Hunde sind bemerkenswert gut darin, nachlassende Herzfunktion auszugleichen, weshalb spürbare Anzeichen Monate oder sogar Jahre nach Erkrankungsbeginn auftreten können.
Die am häufigsten gemeldeten frühen Symptome sind:
- Ein anhaltender Husten, besonders nachts oder nach dem Liegen
- Reduzierte Belastungstoleranz oder schneller Ermüdung bei Spaziergängen
- Schnelleres oder angestrengtes Atmen in Ruhe
- Lethargie und allgemeiner Energiemangel
- Verringerter Appetit oder unerklärter Gewichtsverlust
- Bauchaufblähung verursacht durch Flüssigkeitsansammlung
- Ohnmachts- oder Kollapsepisoden, besonders während oder nach körperlicher Anstrengung
Ein Husten ist oft das erste Zeichen, das Hundehalter bemerken. Bei Herzerkrankungen kann sich Flüssigkeit in der Lunge ansammeln — ein Zustand namens Lungenödem — was einen reflexartigen Husten auslöst. Dies unterscheidet sich vom typischen Zwingerhusten-Geräusch und ist meist weich, feucht und anhaltend.
Die Stadien von Hundekrankheiten: Herzerkrankungen

Das American College of Veterinary Internal Medicine entwickelte ein Klassifizierungssystem, das die meisten Tierärzte nun zur Kategorisierung von Herzerkrankungen bei Hunden verwenden. Das Verständnis, wo sich Ihr Hund in diesem System befindet, hilft Ihnen, Erwartungen zu setzen und Behandlungsentscheidungen zu treffen.
Stadium A
Hunde im Stadium A haben ein hohes Risiko, eine Herzerkrankung zu entwickeln, aufgrund von Rasseprädiposition, zeigen aber zum Zeitpunkt der Untersuchung keine strukturellen Anomalien. In diesem Stadium ist keine Behandlung erforderlich, aber regelmäßige kardiologische Screenings werden dringend empfohlen.
Stadium B1
Hunde im Stadium B1 haben ein erkennbares Herzgeräusch und Hinweise auf eine strukturelle Herzerkrankung, aber das Herz hat noch nicht begonnen sich zu vergrößern und der Hund zeigt keine klinischen Symptome. Medikamente werden in diesem Stadium normalerweise nicht eingeleitet, obwohl eine Überwachung alle sechs bis zwölf Monate empfohlen wird.
Stadium B2
Stadium B2 stellt einen signifikanten Wendepunkt dar. Hunde in diesem Stadium haben ein Herzgeräusch zusammen mit messbarer Herzvergrößerung, zeigen aber immer noch keine äußerlichen Symptome. Forschungen, die im Journal of Veterinary Internal Medicine veröffentlicht wurden, haben gezeigt, dass die Einleitung von Medikamenten — insbesondere Pimobendan — im Stadium B2 den Beginn von Herzversagen erheblich verzögert. Dies ist der Grund, warum regelmäßige Thorax-Röntgenaufnahmen und Echokardiogramme so wertvoll sind, selbst bei scheinbar gesunden Hunden.
Stadium C
Hunde im Stadium C zeigen oder haben bereits klinische Anzeichen von Herzversagen gezeigt. Dies ist der Punkt, an dem Symptome wie Husten, Atemnot und reduzierte Belastungstoleranz sichtbar werden. Die Behandlung beinhaltet typischerweise eine Kombination von Medikamenten, einschließlich Pimobendan, Diuretika wie Furosemid und ACE-Hemmer. Mit angemessener tierärztlicher Betreuung können Hunde in diesem Stadium oft über längere Zeit gut verwaltet werden.
Stadium D
Stadium D stellt Herzversagen im Endstadium dar, das nicht auf Standardbehandlung anspricht. Hunde in diesem Stadium benötigen aggressivere Therapieansätze und der Fokus verlagert sich zunehmend auf Komfort und Lebensqualität.
Wie wird eine Herzerkrankung diagnostiziert?
Eine Diagnose von Herzerkrankung beginnt typischerweise mit einem Stethoskop. Ein Herzgeräusch — ein abnormales Geräusch, das durch turbulenten Blutfluss verursacht wird — ist oft der erste klinische Befund. Herzgeräusche werden von eins bis sechs bewertet, wobei höhere Grade allgemein auf größere Schweregrad hinweisen, wobei die Einstufung allein nicht die ganze Geschichte erzählt.
Nach Feststellung eines Herzgeräusches kann Ihr Tierarzt folgende Untersuchungen empfehlen:
- Thorax-Röntgenaufnahmen zur Beurteilung der Herzgröße und Überprüfung auf Flüssigkeit in den Lungen
- Echokardiographie, die eine Ultraschalluntersuchung des Herzens darstellt und detaillierte Bilder der Klappenfunktion und Kammerabmessungen liefert
- Ein Elektrokardiogramm zur Beurteilung des Herzrhythmus
- Blutdruckmessung
- Blut- und Urintests zur Bewertung der Organfunktion und Eignung für Medikamente
Rassen-Screening-Programme
Wenn Sie einen Hund einer Rasse mit bekanntem kardialen Risiko besitzen, ist proaktives Screening eine der nützlichsten Maßnahmen, die Sie ergreifen können. Der Verband der Deutschen Tierärzte und der Deutsche Kennel Club führen formale Herztests für Cavalier King Charles Spaniels durch,
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